Die Autoren

Wortspiele München
 


Sophia Merwald 

© Jacob Kielgass

Sperrgut- Zoralit/ Ullstein  

Am Anfang steht Kristalloma: Eigenhändig baut sie auf einer Industriebrache ein Haus und das Lusthansa wird ein Zuhause für Frauen, die keines haben. Jahre später formt sich dort unter der Obhut von Kristalloma und ihrem Partner Bruno eine neue Gemeinschaft: die Freundinnen Maj und Stevie, deren Vater und seine Frau Linde stoßen hinzu. Drei Generationen leben unter dem selbstgebauten Dach zusammen und passen aufeinander auf. Bis die naheliegende Stadt mit einem Abrissbescheid vor der Tür steht und das Lusthansa um seine Existenz kämpfen muss.

 

Sophia Merwald erfindet in ihrem Debüt Sperrgut (Zoralit, 2026) eine ganze eigene Sprache – amüsant und messerscharf in der Beobachtung. 

Sophia Merwald, geboren 1998, arbeitet als freie Journalistin. Sperrgut ist ihr erster Roman, für den sie bereits vor Erscheinen mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, u.a. dem Alfred-Döblin-Preis. Sie lebt und arbeitet in München.


Son Lewandowski 

© Max Goedecke

Die Routinen - Klett-Cotta 

München, Montreal, Tokyo. Wenn die Olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Die Turnerin Amik beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben.

 

Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski in ihrem Debütroman Routinen (Klett-Cotta, 2026) von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen alternden Körpers.

Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor:innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit Die kurzen Karrieren stand sie in dem Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 wurde sie durch das Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.


Stefan Sommer 

© Jonas Hoeschl

Partypeople - Otto Müller Verlag 

Mit der Geburt ihres Kindes blickt eine junge Frau anders in die Welt. Wörter schwinden, während Liebe und Verlustphantasien sie vereinnahmen. Erst jetzt erkennt sie, wie stumm ihre Mutter und Großmutter im Leben stehen, wie sie versäumt haben, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, Fragen nach Zugehörigkeit und Brüchen ständig einsickern. Mit tastender Genauigkeit nähert sie sich den sprachlosen Rätseln, zeichnet sinnlos wie schonungslos ihre Leben inmitten des Nebels ihrer Gedächtnisse nach.

 

Der Ich-Erzähler im neuen Roman von Stefan Sommer, Trabant (Otto Müller Verlag, 2026), ist ein erfolgreicher Techno-Diskjockey und wird auf private Partys von Superreichen eingeflogen. Er führt ein luxuriöses Leben zwischen Helikopterflügen, Infinity Pools, Champagner und den immer groteskeren Wünschen eines Superstars, der von sich und der Welt gelangweilt ist. Dazwischen: Loneliness, Designerdrogen und Schmerzmittel helfen nur vorübergehend. Während seiner gnadenlosen Hetze um die Welt erkennt der Erzähler irgendwann, dass er davonläuft: vor dem Verlust der Mutter, die Jahre zuvor verstorben ist.

Stefan Sommer, 1989 geboren, wuchs in einer kleinen schwäbischen Gemeinde auf; der Autor lebt heute in München und arbeitet für die SZ und den BR. Ausgezeichnet mit dem International Music Journalism Award 2020, dem Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus 2021 und einem Literaturstipendium „Junge Kunst und neue Wege“ 2021 durch den Freistaat Bayern.


Ester Schüttpelz 

© julia sellmann

 Grüne Welle - Diogenes Verlag

Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim – bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.

 

Einfühlsam beschreibt Esther Schüttpelz in ihrem neuen Roman Grüne Welle (Diogenes, 2026) einfühlsam in leicht surrealen Bildern den verschwommenen Weg der Protagonistin zu sich selbst.

Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman Ohne mich wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland.


Alisha Gamisch 

© robert gomlich

Parasiti - Voland & Quist

Vally lebt zusammen mit ihrer alten Tante Lydia. Nicht nur der Altersunterschied trennt die beiden, Lydia muss gepflegt werden. Vally kümmert sich um sie, sanft und beharrlich. Als Lydia jedoch eines Tages plötzlich verstummt, weiß Vally nicht mehr weiter. Allmählich ahnt sie, dass Lydia von den Erinnerungen an ein Ereignis vor 50 Jahre in Novosibirsk eingeholt wird…

 

Parasiti (Voland & Quist, 2026) von Alisha Gamisch ist ein kraftvolles Debüt über Erinnerung, Familie und das Schweigen zwischen den Generationen. Zwischen einer russlanddeutschen Barackensiedlung und dem heutigen Berlin entfaltet sich die Geschichte zweier Frauen, die auf unerwartete Weise miteinander verbunden sind.

Alisha Gamisch, geboren 1990 in Tegernsee, arbeitet als Lehrerin in Berlin. Ihre Texte hat sie in Literaturzeitschriften und -magazinen veröffentlicht, zuletzt in der PS-Politisch Schreiben und im Mosaik-Magazin. 2016 wurde sie für den Lyrik-Preis München nominiert. Ihr erster Gedichtband Lustdorf (Verlagshaus Berlin, 2020) wurde von Haus für Poesie als eines der besten Lyrikdebüts des Jahres 2020 ausgewählt und für den Ulla-Hahn-Preis nominiert. Aktuell kuratiert und moderiert Alisha Gamisch die Lesungs- und Diskussionsreihe „PostOst-Café“ in Berlin.


Elise Schmit 

© veronique kolber

Allgemeine Zweifel am weiteren Verlauf - Luchterhand

Ein Wal an der Küste eines mondänen Badeortes und zwei Freundinnen, die unerwartet der eigenen Vergangenheit begegnen. Ein blauer Vogel, der aus einer Mandarine schlüpft und zur einfachen Ansprache wird in einer von Katastrophen erschütterten Welt…

 

In ihrem neuen Erzählband Allgemeine Zweifel am weiteren Verlauf. Stories (Luchterhand, 2026) umkreist Elise Schmit jene schillernden Augenblicke des Umbruchs, in denen das Alte sich auflöst, das Neue aber noch nicht ganz da ist. Die Menschen, von denen sie erzählt, sehnen sich nach Veränderung, nach einer Möglichkeit, aus dem eigenen Leben auszubrechen, zugleich fürchten sie sich davor.

Elise Schmit wurde 1982 in Luxemburg geboren und ist dort aufgewachsen. Für ihr Schreiben wurde sie mehrfach beim Concours littéraire national ausgezeichnet. Ihr Erzählband Stürze aus unterschiedlichen Fallhöhen erhielt 2019 mit dem Prix Servais die wichtigste Auszeichnung des Landes. Elise Schmit lebt in Luxemburg-Stadt.


Anselm Oelze 

© iona dutz

Die da oben - Wallstein Verlag

Als Tess mit ihrer Freundin Moyra in eine schöne Altbauwohnung im Leipziger Zentrum zieht, gehen für sie gleich mehrere Träume in Erfüllung: Ihre Beziehung hat endlich ein Zuhause und mit der Unterstützung von Moyras Eltern kann sie sogar ihre eigene Schneiderei eröffnen, und zwar im Erdgeschoss des Hauses, wo Rolf, der Mann ihrer Nachbarin Heike einen Getränkeladen betrieben hatte, bis dieser der Konkurrenz und steigender Ladenmiete zum Opfer fiel. Als Heike und Rolf nun auch die Wohnung im obersten Stock gekündigt wird, bieten die beiden jungen Frauen ihre Hilfe an. Aber je mehr Heike und Rolf auf das „kaputte System“ und die „korrupten Eliten“ schimpfen, desto entschlossener geht Moyra auf Distanz. Schließlich sind alle gezwungen zu entscheiden, was sie retten wollen: ihre eigenen Überzeugungen oder die Beziehungen zu den Menschen, die sie lieben.

 

In seinem neuen Roman Die da oben (Wallstein Verlag, 2025) befasst sich Anselm Oelze einfühlsam und lebensnah mit den Spaltungen in der Gesellschaft und fragt danach, wie Zusammenleben wider aller Erwartungen gelingen kann.

Anselm Oelze, geboren 1986 in Erfurt. 2019 erschien sein Roman Wallace, es folgte die literarische Reportage Die Grenzen des Glücks: eine Reise an den Rand Europas (2021) und der Roman Pandora (2023). Er wurde mehrfach ausgezeichnet und lebt mit seiner Familie in Leipzig.


Mergedes Spannagel 

© lenny rothenberg

Crashtest Dummies - Blessing Verlag

Als Ingenieurin in der Automobilindustrie arbeitet Cleo in einer Männerdomäne – und am offenen Herzen der strauchelnden deutschen Wirtschaft. Ihr Team soll die Entwicklung eines Elektromodells vorantreiben, doch getrieben werden sie vor allem vom Speiseplan der Kantine. Cleo glaubt nicht an Konventionen oder an Arbeit am Wochenende und auch nicht daran, als Frau in der Technik irgendetwas repräsentieren zu müssen. Doch dann tritt sie in eine Konkurrenzsituation mit ihrem Kollegen Martin, aus der sich eine beidseitige Obsession entwickelt. Für Cleo geht es nicht nur um ihre berufliche Zukunft, sondern auch darum, sich nicht von einem Mann ausbooten zu lassen.

 

Rasant und bitterböse erzählt Mercedes Spannagel in ihrem neuen Roman Crashtest Dummies (Blessing Verlag, 2026) von einer jungen Frau, die sich für einen Triumph noch einmal ganz neu definieren muss.

Mercedes Spannagel, geboren 1995 in Wien, hat einen Abschluss als Diplomingenieurin Maschinenbau der TU Wien und lebt derzeit in Berlin. Sie erhielt für ihre Texte diverse Preise, u.a. 2014 Exil-Jugendliteraturpreis Wien, Rauriser Förderungspreis 2017, 1. Platz fm4 Wortlaut 2018. 2022 war sie Hausgast im LCB. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Ihr Debüt Das Palais muss brennen war 2020 nominiert für den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt.


Bernhard Heckler 

© Thomas Dashuber

Die beste Idee der Welt - Verlag Antje Kunstmann

Heinz steht vor den Trümmern seiner Existenz – von seiner großen Liebe Jenny über Nacht verlassen, mit einer weiteren Geschäftsidee gescheitert und pleite. Da macht ihm sein Freund Franky – ein ziemlich heruntergerockter Kleinkrimineller, so nervig wie liebenswert – ein Angebot: Er will eine Wrestling-Show aufs Oktoberfest bringen und Heinz soll das Drehbuch schreiben. Die Amateur-Bodybuilderin Betül, der ehemalige Jockey Gernot und andere Gestalten aus der Münchner Halb- und Viertelwelt sind schon am Start. Das Ziel: Ruhm und ein paar Zehntausend pro Kopf. Doch zuerst muss die Gang von Wiesnchef Claudius Schowalter noch die Genehmigung für die Show bekommen – aber wie?

 

Voller Charme und Schmäh erzählt Bernhard Heckler in seinem neuen Roman Die beste Idee der Welt (Kunstmann, 2025) von Strizzis und Stenzn, Großkopferten und Kleinkriminellen, von Scheitern und Wiederaufstehen und von der Kraft der Gemeinschaft an den Rändern der Gesellschaft.

Bernhard Heckler, geboren 1991 in München, war Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens und der FAZIT-Stiftung. Sein erster Roman, Das Liebesleben der Pinguine, erschien 2021 bei Tropen. Für die Arbeit an diesem Roman hat er ein Literaturstipendium der Stadt München erhalten. Er ist Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und lebt in München.


Anja Gmeinwieser 

© Linda Sier

Wir Königinnen - Berlin Verlag

In Anja Gmeinwiesers Debütroman Wir Königinnen (Berlin Verlag, 2026) wandert eine Frau durch die Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische LKW-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.

 

Anja Gmeinwieser, geboren 1989 in Mainburg. 2018/2019 war sie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises, 2022/2023 Teilnehmerin der Romanwerkstatt des Literaturhauses München und 2023 Finalisten beim open mike. Sie lebt in Mittelfranken und arbeitet als Sozialarbeiterin und Schriftstellerin.


Muri Darida

© dorottya marton

King Cobra - dtv

Lazi sitzt im Zug nach Budapest und hat ein Ziel: das Gewehr des Großvaters András, der während des Ungarnaufstandes 1956 nach Argentinien fliehen wollte, aber in Eppingen landete. Im ungarischen Dorf erwarten Lazi unberechenbare Tanten, unzählige Schnäpse und die Großcousine Zsófi, die Lazi das Schießen beibringt. Nur Mónika, die Schwester der Mutter, versteht, was Lazis veränderter Körper zu bedeuten hat; nur sie ahnt den wahren Grund für Lazis Rückkehr: Rache üben, Gerechtigkeit finden.

 

Muri Daridas Debütroman King Cobra (dtv, 2026) erzählt zwischen Humor, Zärtlichkeit und Wut vom Widerstand gegen das Schweigen und davon, dass die Liebe kein Bluthund ist.

Muri Darida, geboren 1993, lebt zwischen Budapest und Berlin. Literarische Publikationen u.a. in BELLA triste, Edit, mosaik und Jenny. Zu politischen und gesellschaftlichen Themen publiziert Muri Darida regelmäßig u.a. auf ZEIT ONLINE, arte, taz und SZ. Mit einem Auszug aus King Cobra war Darida für den Wortmeldungen-Förderpreis 2022 nominiert und gewann den Publikumspreis des open mike 2024.


Marius Goldhorn 

© Tanita Olbrich

Die Prozesse - Kiepenheuer & Witsch

Brüssel im Spätsommer 2030. Die Stadt ist in Aufruhr, die Peripherie, die Marktplätze, Museen und Boulevards, überall kommen Menschen zusammen, protestieren und feiern, unerwartete Gemeinschaften entstehen, alte Ordnungen zerfallen. Der Erzähler und sein Partner Ezra machen Urlaub in Oostende. Bei ihrer Rückkehr nach Brüssel werden sie von den Ereignissen mitgerissen, die bald auch ihre Beziehung auf eine harte Probe stellen. Als Ezra, der einen politischen Blog betreibt, Opfer eines Anschlags wird, verlassen sie Brüssel und machen sich auf den Weg nach Norditalien. Auf dem entlegenen Hof einer mysteriösen Gärtnerin wollen sie zur Ruhe kommen. Doch ihr Rückzug wird zur surrealen Höllenfahrt.

 

In hypnotischen Sätzen führt Marius Goldhorn in seinem neuen Roman Die Prozesse (Kiepenheuer & Witsch, 2025) zwei taumelnde Männer durch einen erschütterten Kontinent, zerrissen zwischen seiner Vergangenheit, seinen Verbrechen und der Sehnsucht nach Aufbruch.

Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans Park und des Gedichtbandes YIN.


Hannah Häffner 

© tanja kernweiss

Die Riesinnen - Penquin Verlag

Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen, alle groß und dünn; sie überragen die meisten Dorfbewohner und wollen so gar nicht in die Gemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die in 60er-Jahren still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald liebt und als Försterin in und mit ihm lebt.

 

Hannah Häffner erzählt in ihrem Debütroman Die Riesinnen (Penguin Verlag, 2026) mit feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die lange nachhallt.

Hannah Häffner wurde 1985 in Heidelberg geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie als freie Texterin und Schriftstellerin in der Nähe von Stuttgart.


Denis Pfabe 

© allan larsen

Die Möglichkeit einer Ordnung - Rowohlt Berlin

Levin Watermeyers Leben ist der Baumarkt. Schon immer arbeitet er dort, glaubt, alle Kollegen und ihre Schrullen, ihre Intrigen gegen- und Affären miteinander zu kennen – und er ist zufrieden. Aber dann bekommt seine komfortable Welt Risse. Der Baumarkt soll expandieren, schluckt Konkurrenten und die undurchschaubare Pina Sommerfeldt, die eigene Ziele verfolgt, muss eingearbeitet werden. Watermeyers Welt wankt; er beginnt, alles zu hinterfragen.

 

Denis Pfabe erzählt in seinem neuen Roman Die Möglichkeit einer Ordnung (Rowohlt Berlin, 2026) mitten aus der Gegenwart. Menschen im Zeitalter der totalen Kommerzialisierung, der Konsum- und Smartmentalität und Hochskalierung von Geschäftsmodellen, originell, zuweilen böse und sehr unterhaltsam.

Denis Pfabe, geboren 1986 in Bonn, ist Absolvent der Bayerischen Akademie des Schreibens, war Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa am LCB und erhielt das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW. Er lebt in Bonn und fährt drei Tage die Woche Gabelstapler in einem Baumarkt. Sein Debütroman Der Tag endet mit dem Licht erschien 2018, Simonelli folgte 2021. 2024 erhielt er den Deutschlandfunkpreis beim Bachmannwettbewerb in Klagenfurt.


Leon Engler 

© Niklas Berg

Botanik des Wahnsinns - DuMont Buchverlag

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Dort muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.

 

In seinem Debütroman Botanik des Wahnsinns (DuMont Buchverlag, 2026) verfolgt Leon Engler auf einfühlsame und humorvolle Weise seinen Protagonisten auf der Spur seiner Familie und zu sich selbst.

Leon Engler wuchs in München auf. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben.


Jessica Mawuena Lawson 

© Nane Diehl

Pamoja - Verbrecher Verlag

Kekeli lebt in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Dass ihre Mutter weiß ist und ihr Vater schwarz, ist für sie kein Thema. Oder doch? Fragen, die sie sich nie gestellt hat, aus Angst oder Bequemlichkeit, überfallen sie plötzlich, als ihre undurchschaubare Cousine Afi aus Togo zu Besuch in Deutschland ist. Zudem wird sie von ihrem Mitschüler Kwame eingeladen, gemeinsam für die Pamoja Society bei einem Doku-Film über schwarze Lifestyles in Deutschland mitzuarbeiten und dafür nach Berlin zu fahren. Mit Afi, Kwame und dessen großem Bruder Kofi begibt sie sich auf einen Roadtrip quer durch Deutschland. Während sie zusammen nach den lustigen, schönen, aber auch aufwühlenden und teilweise versteckten Facetten in Deutschland suchen, stößt Kekeli auf ein Familiengeheimnis, von dem aus sie alles in Frage stellt.

 

Jessica Mawuena Lawsons Debütroman Pamoja (Verbrecher Verlag, 2026) ist eine Auseinandersetzung mit der Zugehörigkeit, der Biografie und der eigenen Familie.

Jessica Mawuena Lawson, Jahrgang 1997, arbeitet in einer Unterkunft für Geflüchtete und studiert an der Uni Tübingen Literatur- und Kulturtheorie. Wie die Protagonistin in ihrem Roman hat auch sie einen deutsch-togoischen Background und wünscht sich, es würde mehr Bücher aus der Perspektive schwarzer Menschen in Deutschland geben.


Oliwia Hälterlein 

© minzkunst

Wir Töchter - Verlag C.H. Beck

Großmutter Marianne, geboren zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hat das Leben einer einfachen Bäuerin gelebt. Ihre Tochter Róza ist – geprägt vom sozialistischen Staat Volksrepublik Polen – wie die Mutter im Dorf aufgewachsen. Durch Zufall lernt sie die Stadt Danzig und das Leben inmitten der Solidarnosz-Revolution kennen. Mit ihrer Tochter Waleria wird Róza Polen Ende der 1980er-Jahre nach Westdeutschland verlassen. Waleria wächst im wiedervereinigten Deutschland auf, verlernt ihre Muttersprache und die Sprache ihrer Babcia.

In ihrem Debütroman Wir Töchter (Verlag C.H. Beck, 2026) erzählt Oliwia Hälterlein mit großer Wärme und poetischer Kraft von drei Generationen Frauen zwischen Polen und Deutschland – und von dem unsichtbaren Band, das sie verbindet.

 

Oliwia Hälterlein, geboren 1986 in Bydgoszcz, ist Absolventin des renommierten Deutschen Literaturinstituts in Leipzig. In der Reihe Marohefte ist ihr Essay Das Jungfernhäutchen gibt es nicht erschienen.


Alexander Rudolfi 

© A. Scharnhorst

Willkommen im Bauch der Maschine - Rohstoff/Matthes & Seitz Berlin

Das Flugzeug rollt an, setzt an und beschleunigt zum Abflug, doch die Gedanken des Erzählers in Alexander Rudolfis Debütroman Willkommen im Bauch der Maschine (Rohstoff / Matthes & Seitz Berlin, 2026) drängen zurück. Zurück auf die italienische Insel, wo er Gramscis Gefängnishefte gelesen, das politische Zeitgeschehen beobachtet, S. kennengelernt und mit ihr Ausflüge in die für ihre Widerstandsfähigkeit berüchtigten, ihrer Tradition stark verbundenen und durch den Abbau von Schwermetallen teilweise unbewohnbar gewordenen Dörfer unternommen hat. Es stellt sich ihm zunehmend die Frage, wann er die Kontrolle verlor: erst, als er sich in die Maschine setzte und sich den Händen eines unsichtbaren Piloten überließ? Oder bereits davor?

Willkommen im Bauch der Maschine erzählt rauschhaft und schillernd vom paranoiden Leben in einer technokratischen Wirklichkeit – und vom Versuch, einen Ausweg zu finden.

 

 

Alexander Rudolfi, 1987 in Freyung geboren. Seine Texte wurden in verschiedenen Zeitschriften publiziert. 2019 erhielt er das Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen, 2022 war er Preisträger des 30. open mike. Im selben Jahr erschien das Buch hyperlinklabyrinthe im Verlag parasitenpresse.