Die Autoren

Wortspiele München
 


Antonia Baum

© urban zintel

Siegfried - Claassen

Eine Frau fährt eines Morgens nicht zur Arbeit, sondern in die Psychiatrie. Am Abend zuvor hat sie sich mit ihrem Partner gestritten, jetzt muss sie in der Wohnung und in ihrem Leben aufräumen. Doch sie hat Angst: Das Geld, die Deadline, die Beziehung - nichts ist unter Kontrolle. Und vor allem ist da die Angst um ihren Stiefvater, der früher die Welt für sie geordnet hat. In der Psychiatrie, denkt sie, wird jemand sein, der ihr sagt, wie ihr Problem heißt. Dort darf sie sich ausruhen.

 

Antonia Baums neuer Roman Siegfried (Claassen, 2023) beschreibt alte Ordnungen und neue Ansprüche, Gewalt und das Schweigen darüber und eine Generation, deren Eltern nach dem Krieg geboren wurden und deshalb glaubten, er sei vorbei.

Antonia Baum, geboren 1984, ist Schriftstellerin und Autorin für die ZEIT. Ihre Bücher - zuletzt der Roman Tony Soprano stirbt nicht, das persönliche Essay Stillleben, und eine persönliche Bestandsaufnahme des Werkes von Eminem - haben große Resonanz erhalten.


Irene Diwiak

© bogenberger

Sag Alex, er soll nicht auf mich warten - C.Bertelsmann

München, 1941. Die zwei Studenten Hans und Alex scheint auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu verbinden - bis sie eines Tages den Wehrsport schwänzen, um über Kunst und Literatur zu diskutieren, anstatt Appell zu stehen. Von da an entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft, doch ihr ständiger Alltagsbegleiter ist der Krieg. Und immer stärker brodelt in ihnen der Wunsch, ihre Stimme dagegen zu erheben. Aber ihr Vorhaben ist gefährlich. Vor allem, als Hans' jüngere Schwester Sophie nach München zieht, die unter keinen Umständen von ihrem Plan erfahren darf.

 

Irene Diwiak erzählt in ihrem neuen Roman Sag Alex, er soll nicht auf mich warten (Bertelsmann, 2023) von einer wahren Freundschaft. Eine Geschichte der Weißen Rose, die nicht von ihrem Ende handelt, sondern von ihrem ganz besonderen Anfang.

Irene Diwiak, geboren 1991 in Graz, wuchs in der Steiermark auf. Für ihre literarischen Texte sowie ihre Theaterstücke wurde sie schon vielfach ausgezeichnet. Ihr Debütroman Liebwies (2017) stand bereits auf der Shortlist für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises. Drei Jahre später folgte ihr zweiter Roman Malvita.


Tomer Dotan-Dreyfus

© shai levy

Birobidschan - Voland & Quist

Sibirien, 1908. Ein Knall erschüttert den Sibirischen Wald Tunguska. Zwei Jahrzehte später plant Stalin eine jüdisch-sozialistische Autonomie an der Grenze zu China: Birobidschan. Was als stalinistisches Experiment der 30er-Jahre scheitert, wird in Tomer Dotan-Dreyfus' Debütroman Birobidschan (Voland & Quist, 2023) zum Dreh- und Angelpunkt einer funkensprühenden Geschichte: Da sind Alex und Rachel, verliebt seit Kindertagen. Boris Klayn, Fischer und Ur-Birobidschaner. Gregory und Sascha, enge Freunde, einer hat Depressionen, der andere nimmt ihn mit durch einen Roadtrip gen Tunguska. Dmitrij, der Angst vor Wölfen hat. Das Leben in Birobidschan geht seinen Gang. Die kleinen und großen Sorgen der Bewohner drehen sich fern allen Weltgeschehens - bis sich die Ereignisse überschlagen. Zwei fremde Männer und ein stummes Mädchen bringen die idyllische Gemeinschaft zum Bersten.

 

In Birobidschan erzählt Tomer Dotan-Dreyfus die so unwahrscheinliche wie charmante Geschichte eines jüdisch-sozialistischen Schtettls in Sibirien und knüpft damit an die jiddische Erzähltradition und den magischen Realismus an.

Tomer Dotan-Dreyfus, 1978 in Haifa geboren, lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist als freier Autor, Lyriker und Übersetzer tätig. Er schreibt sowohl in Hebräisch als auch in deutscher Sprache. Für die Arbeit an Birobidschan erhielt er 2020 ein einjähriges Stipendium des Berliner Senats. Außerdem wurde er für das Übersetzungsprogramm Jewish Writers in Translation 2021 der Jewish Book Week in London ausgewählt. 2022 ist sein Essay-Band Meine Forschung zum O: Unlearning Sprache (Gans Verlag, Berlin) erschienen.


Dirk Gieselmann

© tobias kruse/OSTKREUZ

Der Inselmann - Kiepenheuer & Witsch

Anfang der 60er, in einem entlegenen Teil Deutschlands. Das Ehepaar Rohleder zieht auf eine unbewohnte Insel inmitten eines großen Sees. Es ist eine Flucht nach innen, vor der Stadt und der Wirklichkeit. Mit dabei ist ihr Sohn Hans, der auf der Insel ein neues Zuhause findet - und noch sehr viel mehr. Hans wird zum König der Insel, bis mit dem Bescheid der Schulbehörde die Realität in seine kleine große Traumwelt einbricht und ihn von Insel und Eltern trennt. Es ist der Beginn einer beschwerlichen Odyssee.

 

Dirk Gieselmanns Debüt Der Inselmann (KiWi, 2023) ist die faszinierende literarische Studie eines Insellebens und erzählt von der Sehnsucht nach Einsamkeit in einer Gesellschaft, die das Individuum niemals allein lässt - im Guten, wie im Schlechten.

Dirk Gieselmann, geboren 1978, lebt in Berlin. Er wurde für seine Texte mit dem Henri-Nannen- und dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm, in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Armin Smailovic, Der Atlas der Angst. Das gleichnamige Theaterstück wurde im Thalia Theater Hamburg aufgeführt.


Schrödingers Grrrl -
Verbrecher Verlag

Mara Wolf - Schulabbrecherin, Anfang 20, depressiv, arbeitslos in Dresden. Ihren Alltag füllt sie mit Instagram, Dating und Online-Shopping. In einer Bar lernt Mara den PR-Agenten Hanno kennen. Er überredet sie, sich als Romanautorin auszugeben; den Roman geschrieben hat ein alter, weißer Mann, der genau wie Hanno und sein Lektor nicht glaubt, dass er sich unter seinem Namen verkauft. Die drei Männer schmieden einen Plan für einen großen literarischen Erfolg, auf den sich Mara einlässt.

 

Marlen Hobracks Debütroman Schrödingers Grrrl (Verbrecher Verlag, 2023) ist ein zeitgenössischer Entwicklungsroman, eine Geschichte über eine junge Frau, die keinen Platz in der Gesellschaft findet, weil sie gar nicht erst daran glaubt, einen beanspruchen zu können.

Marlen Hobrack wurde 1986 in Bautzen geboren und lebt in Leipzig. Seit 2016 schreibt sie hauptberuflich für u.a. Freitag, taz, die ZEIT, die Welt und Monopol. 2022 ist ihr Sachbuch Klassenbeste. Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet bei Hanser Berlin erschienen.


Moritz Hürtgen

© tom hintner

Der Boulevard des Schreckens - Verlag Antje Kunstmann

Martin Kreutzer will nach oben. Als Volontär einer überregionalen Berliner Tageszeitung muss er sich jedoch beweisen. Lukas Moretti war sein Kommilitone und schon damals in München ein Star unter den Studenten, doch inzwischen ist ihm der internationale Durchbruch gelungen. Vollmundig verspricht Martin der Chefredaktion, dieses Interview 100%ig einzutüten. Unglücklicherweise möchte Herr Moretti weder mit der Zeitung noch mit Martin Kreutzer etwas zu tun haben. Doch als Lukas Moretti tot aufgefunden wird, nehmen die Dinge einen unvorhergesehenen Lauf. Die Redaktion beschließt, Martin auf den Fall anzusetzen, und schickt ihn nach Kirching, einen Münchner Vorort, in dem alles anfing und schrecklich enden wird.

 

Moritz Hürtgens Debütroman Der Boulevard des Schreckens (Kunstmann, 2022) handelt von Politik und Kunst, Fakten und Fiktionen und von der Frage, was man für Ruhm und Reichtum alles tun würde.

Moritz Hürtgen wurde 1989 geboren und war bis vor Kurzem Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic". 2019 erschien bei Kunstmann bereits sein Gedichtband Angst vor Lyrik.


Grit Krüger

© felix grünschloß

Tunnel - Kanon Verlag

Ein Leben in Armut erfordert Mut. Also ist Mascha furchtlos. Sie zieht mit ihrer Tochter in ein Altersheim, um zu überwintern und sich das Amt vom Hals zu halten. Der Tröster kommt, wenn sie ihn braucht, und bleibt, als er nicht mehr im Hinterzimmer einer Kneipe wohnen kann. Übergangslösungen, weiß Mascha. Als Tom Sonov, einer der Heimbewohner, unter dem Sandsteinfundament im Keller Geräusche hört, beginnt Mascha zu graben - nach Loyalität und Geborgenheit, nach zweiten Chancen und nach Abenteuer.

 

Eindringlich schildert Grit Krüger in ihrem Debütroman Tunnel (Kanon, 2023) Lebensentwürfe an den gesellschaftlichen Rändern, die voll Bitterkeit sind und doch auch tröstliche Momente erfahren.

Grit Krüger wurde 1989 in Erfurt geboren und lebt in Rastatt. Sie arbeitet als Presseredakteurin und freie Lektorin (SWR). Auszeichnungen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, Open Mike 2018, Klagenfurter Literaturkurs 2019. Veröffentlichungen in Anthologien.


Demian Lienhard

© laura j. gerlach

Mr. Goebbels Jazz Band - FVA

Berlin, Frühjahr 1940. Auf Beschluss von Josef Goebbels setzt das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eine paradox anmutende Maßnahme um... Für den Auslandsrundfunksender "Germany Calling" wird eine Big Band gegründet, die als "Mr. Goebbels' Jazz Band" schnell internationale Bekanntheit erlangt. Hier spielen die besten internationalen Musiker, darunter auch Juden und Homosexuelle, im Dienst der NS-Propaganda wörtlich um ihr Überleben. Ebenso beliebt ist der versnobt-sarkastische Starmoderator William Joyce, alias Lord Haw-Haw, der nach seinem rasanten Aufstieg in der British Fascist Union aus London nach Berlin geflohen war.

 

Basierend auf dieser in Vergessenheit geratenen und literarisch unerschlossenen Episode der NS-Zeit, erzählt Demian Lienhard in seinem neuen Roman Mr. Goebbels' Jazz Band (FVA, 2023) die ungeheuerliche Geschichte dieser Band und des berüchtigten Radiosprechers William Joyce aus Sicht seines Schweizer Erzählers Fritz Mahler. In heiterem Erzählton und furiosem Tempo jagt Lienhard seinen Figuren von New York nach Galway, London, Manchester, Zürich, Danzig und Berlin nach. Der Autor zeigt das Scheitern jeglicher künstlerischer Produktion im Dienste einer Ideologie, wobei auch die eigene Erzählung verschmitzt unterwandert wird, bis hin zum überraschenden Paukenschlag.

Demian Lienhard, geboren 1987 in Bern, lebt als Schriftsteller in Zürich. Für sein Romandebüt Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat (2019) wurde er mit dem Schweizer Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Für Mr. Goebbels' Jazz Band erhielt er u.a. Stipendien vom Pro Helvetia, dem LCB und der Stadt Zürich.


Ana Marwan

© una rebic.

Wechselkröte - Otto Müller Verlag

"Die Sonne pulsiert wie mein Herz, in gleichem Takt. Die Luft wird nur von den flatternden Vögeln bewegt, glaube ich. Sie nisten in den Kletterpflanzen an der Fassade. Unser Haus ist das lauteste. Ich möchte sagen, unser Haus singt, aber meistens zwitschert es, nur vielstimmig. Die Vögel sind mäusegrau und unzählig. Sie schreiben schwarz-weiß. Wir sind hier fertig, alles passt schon so, ich geh wieder hinein."

Eine Frau, so einsam und um sich kreiselnd, ist schwanger. "Das ist echt ein Wunder", sagt der Arzt. Die Frau ist unruhig und darauf bedacht, das Richtige zu tun, nicht nur, aber auch mit der Wechselkröte in Polen.

 

Wechselkröte (Otto Müller Verlag, 2022) von der slowenischen Bachmannpreis-Gewinnerin Ana Marwan ist ein Text über das Vorübergehende und das Bedürfnis, Dauerhaftes zu schaffen, über Entwurzelung und den Versuch, sich neu zu orientieren, sowie über Isoliertheit und die Sehnsucht nach Verbindungen.

Ana Marwan, 1980 in Slowenien geboren, aufgewachsen in Ljubljana, lebt als freie Autorin in Wien und schreibt Kurzgeschichten, Romane und Gedichte auf Deutsch und Slowenisch. Seit 2013 Mitherausgeberin und alleinige Chefredakteurin der Literaturzeitschrift "Literatur und Kritik". Veröffentlichungen: Der Kreis des Weberknechts (2019) ist ihr Romandebüt. Ihr Siegertext Wechselkröte / Krota (Slow. Übers. Amalija Macek) gibt es seit Oktober 2022 als zweisprachige Ausgabe. Im Februar 2023 erscheint der neue Roman Verpuppt (aus dem Slow. von Klaus Detlef Olof) im Otto Müller Verlag. Das Original Zabubljena wurde mit dem Kritisko Sito 2022 für das beste Buch des Jahres 2021 in Slowenien ausgezeichnet.


Katharina Mevissen

© maischa souaga

Mutters Stimmbruch - Verlag Klaus Wagenbach

Das volle Haus hatte Mutter zu schaffen gemacht. Doch mit dem leeren Haus ist sie nie warm geworden. Darum geht sie ihm im Sommer aus dem Weg und verbringt die langen Tage bis zur Dunkelheit im Garten. Der Herbst kommt wenig überraschend, doch er erwischt sie kalt. Denn Mutter ist gar nicht bereit, das Dach noch immer ungedämmt, der Garten längst nicht winterfest. Mutter ist eine irrwitzige Figur unbestimmten Alters in einem großen, leeren Haus mit Garten. Ihr bricht die Stimme, ihr gebricht es an allem.

 

In Katharina Mevissens neuem Roman Mutters Stimmbruch (Wagenbach, 2023) stehen Altern und die Sehnsucht nach dem Meer im Mittelpunkt. Sie schreibt in Körpersprache über eine unberechenbare Transformation.

Katharina Mevissen, geboren 1991, lebt als Autorin in Berlin. Ihr Romandebüt Ich kann dich hören wurde vom Westdeutschen Rundfunk als Hörspiel adaptiert. Sie ist Mitherausgeberin der Publikation Gesammeltes Schweigen in der Edition Zweifel. Aktuell forscht sie an de FU Berlin zu Mündigkeit und Literatur. Sie wurde mit dem Kranichsteiner Literaturförderpreis ausgezeichnet.


Katharina Peter

© raphael knipping

Erzählung vom Schweigen - Matthes & Seitz Berlin

Während ihr Vater Klaus bestrebt ist, den Kindern alle Freiheiten zu lassen, und sie doch nur umso enger an sich bindet, verrät ihre Mutter Elke sowohl den Klassenkampf als auch den Familienverbund und jettet stattdessen wie besessen für Großkonzerne um die Welt. Karolina indes beherzigt den mütterlichen Leitsatz von Nichtschwachseindürfen und tröstet sich im Leistungssport, bis Konkurrenzdruck und das Verschwinden ihres Bruders sie auch diesen Halt verlieren lassen.

 

Mit schmerzlich-lakonischer Offenheit verknüpft Katharina Peter in ihrem Debütroman Erzählung vom Schweigen (Matthes & Seitz Berlin, 2023) Erinnerungsflicken ihres Alter Egos zu einem Teppich deutscher Geschichte, rekonstruiert anhand eines Familienarchivs verschwiegene Schuld und verlangt ihrer Protagonistin alles dabei ab.

Katharina Peter, geboren 1980 in Bad Soden im Taunus, lebt als Autorin und Dramaturgin in Hannover. Als Vorstand des Vereins Theatrum e.V. konzipiert und realisiert sie transdisziplinäre Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft.


Robert Prosser

© günther mik

Verschwinden in Lawinen - Jung und Jung

In einem Bergdorf in Tirol herrscht am Ende der Wintersaison gespannte Stille: Zwei Einheimische sind von einer Lawine verschüttet worden. Während die junge Frau um ihr Leben kämpft, fehlt von ihrem Freund vorerst jede Spur. Auch Xaver beteiligt sich an der Suche im Unwegsamen - zuerst als einer der vielen Freiwilligen, dann auf eigene Faust. Als Heranwachsender hatte er erleben müssen, wie der geliebte Großvater in den Bergen verschwunden war. Erst der Hinweis von Mathoi, einem Heiler, der sich hoch oben über dem Tal als Einsiedler versteckt hält, führe Xaver und seine Mutter zu im - zu spät allerdings: Der Großvater war tot. Hätte Xaver ihn retten können? Er macht sich auf die Suche nach Mathoi, doch dazu muss er erst seine Mutter finden, die sich nach dem Zerfall der Familie vom Alkohol und der Arbeit im Tourismus ins Hochgebirge zurückgezogen hat.

 

Mit stiller Wucht erzählt der Roman Verschwinden in Lawinen (Jung und Jung, 2023) von Robert Prosser von der Suche nach dem richtigen Platz, der richtigen Rolle, dem richtigen Abstand zu den Menschen und zur eigenen Vergangenheit.

Robert Prosser, geboren 1983 in Alpbach in Tirol, ist Autor und Performance-Künstler. Für seine Romane hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Reinhard-Priessnitz-Preis 2014, mit Phantome, (2017) stand er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Er lebt in Alpbach und in Wien.


Anne Rabe

© annette hauschild

Die Möglichkeit von Glück - Klett-Cotta

Stine kommt Mitte der 80er-Jahre in einer Kleinstadt an der Ostdeutschen Ostsee zur Welt. Sie ist ein Kind der Wende. Um den Systemwechsel in der DDR zu begreifen, ist sie zu jung, doch die vielschichtigen ideologischen Prägungen ihrer Familie schreiben sich in die heranwachsende Generation fort. Während ihre Verwandten die untergegangene Welt hinter einem undurchdringlichen Schweigen verstecken, brechen bei Stine Fragen auf, die sich nicht länger verdrängen lassen.

 

Anne Rabes Prosadebüt Die Möglichkeit von Glück (Klett-Cotta, 2023) thematisiert die Verwundungen einer Generation und fragt nach den Ursprüngen von Rassismus und Gewalt.

Anne Rabe, geboren 1986, lebt in Berlin. Sie ist mehrfach ausgezeichnete Dramatikerin, Drehbuchautorin und Essayistin. Als Drehbuchautorin war sie Teil der Kultserie Warten auf'n Bus. Seit mehreren Jahren tritt sie als Essayistin und Vortragende zur Vergangenheitsbewältigung in Ostdeutschland in Erscheinung.


Cecilia Joyse Röski

© jelena ilic

Poussi - Hoffmann und Campe

Ibli ist Anfang 20 und wohnt und arbeitet im Palast, einem einst glanzvollen Bordell, das ihrem Vater gehörte. Iblis Vater, das ist Lackschuh. Zu Hochzeiten des Palastes führte er ein ausschweifendes Leben, nun verfolgt ihn der Bankrott. Seite Tage verbringt er - längst der Sucht verfallen - am Spielautomaten im Café Keese. Ibli aber ahnt, dass es außerhalb des Palasts eine Welt geben muss, in der es in den Fahrstühlen nicht nach Pisse stinkt und wo die Menschen in ihren Wohnungen gemütlich Tee trinken. Eine Welt, in der es nicht allein darum geht, mit einem "sexy Body" zahlende Kundschaft anzulocken. Als es im Palast zu einem Eklat kommt, ergreift Ibli die Flucht - mit ungewissem Ausgang.

 

Cecilia Joyce Röskis Debütroman Poussi (HoCa, 2023) ist ein überraschend zärtlicher und sprachmächtiger Roman über eine raue Welt.

Cecilia Joyse Röski, geboren 1994 in Schleswig-Holstein, studierte am Literaturinstitut in Leipzig; Veröffentlichung in Literaturzeitschriften, u.a. in Edit, Bella Triste und Metamorphosen. Cecilia Joyce schrieb das Drehbuch der historischen Webserie Haus Kummerfeld, die 2023 in der Arte Mediathek zu sehen sein wird. Für das Romanprojekt Poussi wurde Cecilia Joyce mit dem Retzhof-Preis für Junge Literatur 2020 ausgezeichnet und mit einem Arbeitsstipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt gefördert.


Lisa Roy

© heike steinweg

Keine gute Geschichte - Rowohlt Verlag

Arielle Freytag, Anfang 30, hat es eigentlich geschafft: Aufgewachsen im prekären Essener Stadtteil Katternberg, verdient sie als Social Media Managerin in Düsseldorf mittlerweile viel Geld, bis eine Depression sie aus der Bahn wirft und sie für eine Weile in die "Klapse" bringt. Kaum wieder zu Hause, erreicht Arielle ein Anruf aus Katternberg und zum ersten Mal nach zwölf Jahren kehrt sie in den Ort ihrer Jugend zurück. Dort werden seit ein paar Tagen zwei Mädchen vermisst, was Arielle mit Wucht an ihre Mutter erinnert, die vor 24 Jahren spurlos verschwand. Arielle blieb damals allein bei ihrer eigenwilligen Großmutter zurück, wer ihr Vater ist, weiß sie nicht. Während in Katternberg fieberhaft nach den Mädchen gesucht wird, stellt Arielle sich den schmerzhaften Fragen, auf die sie immer dringender Antworten braucht. Hat ihre Mutter sie verlassen oder ging sie nicht freiwillig?

 

Lisa Roys Romandebüt Keine gute Geschichte (Rowohlt, 2023) zeigt mit großer emotionaler Wucht das Leben in einem sozialen Brennpunkt und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit.

Lisa Roy, wurde 1990 in Leipzig geboren. Sie veröffentlichte in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien. Für die Arbeit an ihrem ersten Roman Keine gute Geschichte erhielt sie 2021 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln und den GWK-Förderpreis Literatur. Sie lebt mit ihrer Familie in Köln. Keine gute Geschichte ist für den Debütpreis der lit.COLOGNE nominiert.


Esther Schüttpelz

© julia sellmann

Ohne mich - Diogenes Verlag

Sie ist Mitte 20, gerade fertig mit dem Studium und genau so frisch verheiratet wie getrennt. Was tun, nachdem eine erste große Liebe krachend gescheitert ist? Die Erzählerin von Esther Schüttpelz' Debütroman Ohne mich (Diogenes, 2023) sucht nach dem Grund für die Trennung, nach einem Plan für die Zukunft und nach Freundschaft, Rausch und Vergessen.

 

Voller Witz und Chuzpe erzählt der Roman von einem Jahr des Danach und Dazwischen, von der Sehnsucht nach Verbundenheit in einer distanzierten Welt.

Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, lebt in Berlin. Sie ist auch Musikerin und schreibt eigene Songs.


Frédéric Schwilden

© amely deiss

Toxic Man - Piper Verlag

Sein Vater stirbt, er heiratet. In Berlin eröffnet seine bisher größte Foto-Ausstellung. Frédéric, 29, steht vor seinem künstlerischen Durchbruch. Mit seiner Frau bekommt er das erste Kind und wird depressiv. Sein Cousin trinkt sich zum Organversagen und sein bester Freund verschwindet im Meer. Er selbst schlägt seinen Kopf gegen die Wand, bis er ohnmächtig wird. Und dann?

 

Toxic Man (Piper, 2023) von Frédéric Helmut Johannes Schwilden erzählt autofiktional davon, dem Terror der Mittelschicht zu entkommen, sich zu erfinden, zu präsentieren und fast zu vernichten. Die Geschichte eines jungen Mannes, der bewundert und geliebt werden will.

Frédéric Helmut Johannes Schwilden, geboren 1988 in Bonn, lebt heute in Erlangen. Er schrieb für den Rolling Stone, arbeitete als Redakteur im Feuilleton der "Welt am Sonntag" und war Reporter beim Magazin "Focus". Seit 2018 schreibt er für das Politik-Ressort der "Welt".


Simon Strauß

© maximilian goedecke

zu zweit - Tropen Verlag

Ein stiller Teppichhändler, der sich ganz den Häusern und Dingen verschrieben hat. Eine junge Frau, die sich auf ihr Talent zur Improvisation und ihr heiteres Wesen verlässt. Eine alte Stadt, die über Nacht von einer alptraumhaften Flut heimgesucht wird.

 

Simon Strauß' Novelle zu zweit (Tropen, 2023) erzählt von einem Ausnahmezustand, einer Welt ohne festen Boden und sie fragt, wie zwei Fremde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, doch zusammenfinden. Eine Liebesgeschichte mit einem besonderen Blick für all das, was unser Dasein im Verborgenen ausmacht.

Simon Strauß, geboren 1988, lebt in Frankfurt und Berlin. Er ist Redakteur im Feuilleton der FAZ. Zuletzt erschienen von ihm Sieben Nächte (2019) und Römische Tage (2019).