Donnerstag,

13. Mai 2021

Moderation: Esther Csapo Ö1 - Büchertisch: Facultas


19.30 Uhr

Begrüßung


19.40 Uhr

Thomas Arzt
Residenz Verlag

© joseph krpelan

Die Gegenstimme

April 1938: Der Student Karl Bleimfeldtner kehrt in seinen Heimatort zurück, um gegen den Anschluss an Hitlerdeutschland zu stimmen - als einziger im Dorf. Gerüchte werden laut. Die Familie verstummt. Und eine Handvoll Übermütiger bricht auf, um den Verräter im Wald zu stellen.

Wie durch ein Brennglas nimmt Thomas Arzt in Die Gegenstimme (Residenz Verlag, 2021) die 24 Stunden des 10. April in den Blick, an dem sich die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich vollzog und schildert vielstimmig und eindringlich die Geschichte seines eigenen Großonkels - eine Erzählung über Mitläufertum, Fanatismus und Widerstand.

 

Thomas Arzt, geboren 1983 in Schlierbach (OÖ), lebt in Wien. Er zählt seit "Grillenparz" (2011) am Schauspielhaus Wien zu den meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern Österreichs. Neben Publikumserfolgen wie "Alpenvorland" (2013), "Johnny Breitwieser" (2014) oder "Die Österreicherinnen" (2019) wurden seine Arbeiten zu Festivals in New York, Buenos Aires und Kiew eingeladen und waren u. a. in Wien und Berlin zu sehen. Kurzprosa erschien in Literaturzeitschriften sowie am Blog "Nazis & Goldmund".


20.00 Uhr

Alexandra Stahl
Jung und Jung

© philipp laage

Männer ohne Möbel

Was bleibt von der Liebe, wenn man kein größeres Problem hat als sich selbst? Ellie weiß es nicht. Steht trotzdem jeden Morgen auf. Die Männer in Ellies Leben haben Angst vor richtigen Restaurants, trinken Erdbeermilch und schlafen auf Matratzen ohne Bettgestell. Alle wollen nur Liebe, auch in "Italien", einer Kneipe am Neuköllner Landwehrkanal - egal, ob sie sich für Marlon Brando halten oder von einer Frau erzählen, von der sonst keiner glaubt, dass es sie gibt. Als Ellie einen Schreibkurs an der Volkshochschule besucht, lernt sie, sich als Romanfigur zu betrachten, und macht aus ihrem Leben ein Lieblingsbuch.

 

Alexandra Stahls Debütroman Männer ohne Möbel (Jung und Jung, 2021) ist eine lakonische Erzählung über die Liebe in Zeiten der Unverbindlichkeit.

Alexandra Stahl, 1986 in Bayern geboren, lebt in Berlin. Sie hat bei der Deutschen Presse-Agentur gearbeitet. Ihre journalistischen Reisereportagen stammen aus den USA, Irland, Italien, Kroatien und Österreich. Finalistin beim Open Mike, zuletzt Stadtschreiberin in der Europäischen Kulturhauptstadt Rijeka.


20.20 Uhr

Teresa hört auf

Teresa, knapp 30, Tochter eines Gynäkologen und einer Psychotherapeutin, arbeitet in einer Maturareise-Agentur. Die Arbeit dort erscheint ihr sinnlos, die Generation Selfie hängt ihr zum Hals heraus. Dann macht sie sich selbst zum Experimentierfeld und setzt sich Extremen aus. Tägliche Solariumbesuche, kein Waschen mehr, Fressorgien, Schlafentzug - die Strapazen nehmen kein Ende. Und dann lernt sie beim Kühlregal im Supermarkt Nicole kennen: um die 50 und fresssüchtig.

 

Im neuen Roman von Silvia Pistotnig, Teresa hört auf (Milena, 2021), vergeht der Protagonistin vor lauter Müssen das Wollen. Ein messerscharfer, schwarzhumoriger Gegenwartsroman.

Silvia Pistotnig, geboren 1977 in Klagenfurt, lebt und arbeitet als freie Autorin und Redakteurin in Wien. Ihr Debütroman "Nachricht von Niemand" ist 2010 erschienen.
2017 erschien der Roman "Tschulie" (Milena).


20.40 Uhr

20 Min. Pause


21.00 Uhr

Hengameh Yaghoobifarah
Blumenbar

© tarek mohamed mawad

Ministerium der Träume

Als die Polizei vor der Tür steht, bricht für Nas eine Welt zusammen - ihre Schwester Nushin ist tot. Autounfall, sagen die Beamten, Nas glaubt an Suizid. Gemeinsam haben sie alles überstanden: die Migration nach Deutschland, den Verlust ihres Vaters, die emotionale Abwesenheit der Mutter und die ungeplante Mutterschaft von Nushin. Nas nimmt ihre Nichte auf, obwohl ein Kind nicht in ihr Leben passt. Sie gibt alles dafür, die Geschichte ihrer Schwester zu rekonstruieren, und erkennt, dass Nushin sie niemals im Stich gelassen hätte.

 

Hengameh Yaghoobifarahs Debütroman Ministerium der Träume (Blumenbar, 2021) ist eine schonungslose, berührende Familiengeschichte aus Deutschland im Jahr 2020.

Hengameh Yaghoobifarah, geboren 1991 in Kiel. Nach einem Zwischenstopp in Wien zog sie 2014 nach Berlin und arbeitet dort seitdem in der Redaktion des Missy Magazine. Außerdem schreibt sie frei für deutschsprachige Medien, seit 2016 etwa die Kolumne "Habibitus" für die taz. 2019 hat sie gemeinsam mit Fatma Aydemir die viel beachtete Anthologie "Eure Heimat ist unser Albtraum" herausgegeben.


21.20 Uhr

Auwald

Judiths Lieblingswort ist Akribie: Sie ist Tischlerin, und was sie mit den Händen herstellt, gelingt. Holzarten erkennt sie am Geruch; Menschen dagegen sind ihr ein Rätsel. Ob Silvester in Berlin oder ein Sonntagsfrühstück in Wien mit ihrer Freundin Lin - nie ist sie so einsam wie in Gesellschaft anderer. Dann steigt sie allein auf ein Schiff und alles verändert sich.

Zwischen Wien und Bratislava spielt der neue Roman Auwald (Verbrecher Verlag, 2020) von Jana Volkmann über die Schönheit des Zufalls, über Einsamkeit und über Komplizenschaft.

 

Jana Volkmann, geboren 1983 in Kassel, lebt als freie Autorin und Journalistin in Wien. Sie schreibt Essays und Literaturkritik u. a. für den Freitag und den Standard. Zuletzt erschienen sind: "Das Zeichen für Regen" (Roman, 2015) und "Fremde Worte" (Erzählung, 2014) in der Edition Atelier. Mit der Kurzgeschichtensammlung "Schwimmhäute - 26 Metamorphosen", Edition Periplaneta, hat sie 2012 ihr literarisches Debüt gegeben. Für ihren Roman "Auwald" erhielt sie den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2021.


21.40 Uhr

Anna Felnhofer
Luftschacht

© nina rechnitzer

Schnittbild

Silvester 2016. Fabjan sitzt mit seiner Leica am Fenster. Er blickt auf die vergangenen Monate zurück, in denen er mit einer Frau in ein Spiel geraten ist. Mit jedem Treffen wird er abhängiger von ihr, bis er am Ende überzeugt ist, nicht mehr ohne sie zu können. Frühling 1981. Ein fünfzehnjähriges Mädchen wird in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem es versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Es vertraut sich einer Psychologin an, aber ausgerechnet diese Person erweist sich als Falle für die junge Patientin.

 

Anna Felnhofer erzählt in ihrem Prosadebüt Schnittbild (Luftschacht, 2021) mit großem Sprachgefühl von Begegnungen zwischen jeweils zwei Menschen, deren augenscheinlichste Gemeinsamkeit der Kontakt zu einer Therapeutin mit den Protagonisten in Berührung kommt. Die vier Episoden setzen dort an, wo die Rolle der Therapeutin brüchig wird.

Anna Felnhofer, geboren 1984 in Wien. Arbeitet als Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin an der MedUni Wien. Gründung und Leitung eines Virtuellen Realitäts(VR)-Labors (PedVR-Lab) und der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Digital Psychology. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Herausgabe dreier Lehrbücher (UTB, BELTZ). Parallel dazu literarische Veröffentlichungen unter anderem im Podium, Am Erker und Lichtungen. Platzierung auf der Shortlist des FM4-Wortlaut-Kurzgeschichten-wettbewerbs 2018.


22.00 Uhr

Verleihung des Publikumspreises durch Facultas